„Wie ein Prinz von einem anderen Stern!“


Sie zählen zu den eindrucksvollsten Auftritten in Elvis Presleys Karriere: vier Shows im New Yorker Madison Square Garden im Jahr 1972. Die beiden Konzerte vom 10. Juni sind nun in einem opulenten Box-Set mit zwei CDs und einer DVD dokumentiert und zeigen den King in Bestform – wahrlich ein „Prince From Another Planet“.
von Ernst Hofacker

Die US-Journalistin und Schauspielerin Chris Chase schrieb damals in der New York Times: „Er sah aus wie ein Prinz von einem anderen Stern, mit schmalen Augen, hohen indianischen Wangenknochen und glatter, brauner Haut, die von seinen 37 Jahren unberührt schien. Als er mit dem Mikrophon zu hantieren begann, seine rechte Hand durch die Luft fuhr und sein linkes Bein zuckte, als führe es ein Eigenleben, blieb die Zeit stehen, und jeder im Saal war plötzlich wieder siebzehn.“

Kein Zweifel, zu diesem Zeitpunkt, exakt am 10. Juni 1972, befand sich der King im Zenit seiner Schaffenskraft als Entertainer. Was sich auch in Zeiten größenwahnsinniger Rock-Dickschiffe wie Led Zeppelin und Rolling Stones, die in jenem Sommer ebenfalls durch die USA tourten und größte Hallen füllten, herumgesprochen hatte: Elvis füllte den 20.000 Zuschauer fassenden Madison Square Garden in New York City gleich viermal hintereinander! Er hatte einiges zu bieten – vom gewaltigen Intro der Show zu den Klängen von „Also sprach Zarathustra“ über seine frühen Rockabilly-Klassiker wie „That’s All Right“, „Hound Dog“ und „Heartbreak Hotel“ über Balladen wie „Funny How Time Slips Away“ und „You’ve Lost That Lovin’ Feelin’“ bis hin zu neueren Hits wie „Suspicious Minds“ oder „Can’t Help Falling In Love“. All das präsentiert von einer Truppe hochkarätigster Begleitmusiker und einem Frontmann, der, wie sich Augenzeuge Lenny Kaye erinnert, „besser denn je“ sang. Glen T. Hardin, damals als Pianist mit Elvis auf der Bühne, beschrieb die Reaktion des Publikums kurz und bündig: „Sie drehten durch!“

 

 

 

Es war eine triumphale Rückkehr des King. 16 Jahre zuvor, 1956 war er für seinen ersten national ausgestrahlten TV-Auftritt, die „Stage Show“ der Dorsey Brothers, in den Big Apple gekommen. Anschließend musste er sich harsche Kritik wegen seines, so sah man das damals, „vulgären Auftretens“ anhören. Ein Vorwurf, der ihn seitdem gewurmt hatte. Nun also war er gekommen, um seinen Frieden mit der Stadt zu machen. Auch Lenny Kaye, später selbst bekannt geworden als Gitarrist der Patti Smith Band und mithin in musikalisch ganz anderen Gefilden zuhause, verstand damals diesen Subtext der Konzerte: „Man begriff, dass dies ein historisch einzigartiger Moment war. Wenn Musik in deinem Leben je eine Rolle gespielt hat, musstest du einfach dabei sein.“ Kaye und mit ihm 80.000 weitere Elvis-Fans waren dabei. Es sollten Elvis’ einzige Auftritte in New York bleiben. Nach der letzten Show am Abend des 10. Juni galt unwiderruflich: Elvis has left the building.

„Prince From Another Planet“ erscheint bei RCA/Sony Music und enthält zwei CDs mit dem restaurierten Live-Mitschnitt der Nachmittags- und Abendshow vom 9. Juni 1972 sowie eine DVD mit 25-minütiger Making-Of-Dokumentation, dem Film von der Pressekonferenz im New York Hilton Hotel und dem 20-minütgen 8mm-Konzertfilm eines Fans. Dazu bietet das Boxset ein 52-seitiges Booklet mit seltenen Fotos, Reprints diverser Presseartikel und einem umfangreichen Essay des Musikers/Journalisten Lenny Kaye.

 

 

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